Morgens regnet es, das Zelt muss in den Packsack und zu Hause wartet erst einmal der Alltag. Bei einem Polycotton-Zelt solltest du schon vor der Tour wissen, wo du es anschließend wieder aufbauen und trocknen kannst. Der Baumwollanteil macht den Stoff interessant fürs Camp. Wird er nass, braucht er aber Zeit.
Was steckt in Polycotton?
Polycotton ist ein Mischgewebe aus Polyester und Baumwolle. Bei Zelten begegnet dir dafür auch die Bezeichnung TC. Das Kürzel sagt noch nichts über das genaue Mischungsverhältnis aus. Robens verwendet beispielsweise bei HydroTex Polycotton 65 Prozent Polyester und 35 Prozent Baumwolle. Andere Stoffe können anders zusammengesetzt sein. Schau deshalb in die Angaben zum konkreten Zelt. Wie schwer oder dicht ein fertiges Zelt ist, hängt außerdem von Webart, Behandlung und Konstruktion ab. Zwei Zelte mit dem Etikett TC müssen sich draußen nicht gleich verhalten.
Warum hält der Stoff Regen ab?
Baumwollfasern quellen bei Nässe auf. Dadurch schließen sich Zwischenräume im Gewebe. Bei entsprechend ausgelegten Zeltstoffen kommt eine wasserabweisende Behandlung hinzu. Auch Nähte und richtige Abspannung gehören zum Wetterschutz. Polycotton allein ist deshalb noch kein Versprechen, dass jedes daraus genähte Zelt wasserdicht ist.
Manche Hersteller empfehlen vor dem ersten Einsatz ein Einregnen. Du baust das Zelt auf, benetzt den Stoff nach Anleitung und lässt ihn vollständig trocknen. Outwell beschreibt diesen Vorgang für seine Polycotton-Zelte. Ob und wie oft er bei deinem Modell nötig ist, steht in dessen Anleitung.
Angenehmes Zeltklima braucht trotzdem Luft
Polycotton ist interessant, wenn du mehrere Tage an einem Platz bleibst und Wert auf das Klima im Zelt legst. Daraus wird gelegentlich das Versprechen, Kondenswasser spiele keine Rolle mehr. So einfach ist es nicht. Auch hier können feuchte Luft und kalte Flächen zusammentreffen. Nasse Kleidung im Innenraum bringt zusätzliche Feuchtigkeit hinein.
Lass die vorgesehenen Lüfter offen und trockne nasse Sachen möglichst außerhalb des Schlafbereichs. Ein Stoff kann vernünftiges Lüften nicht ersetzen. Outwell nennt diese Maßnahmen auch in seinen Pflegehinweisen.
Der Preis dafür landet im Packsack
Für ein Camp, das du mit dem Auto erreichst, lässt sich zusätzliches Gewicht eher einplanen. Auf einer Tour, bei der du alles selbst trägst, zählt es bei jedem Schritt. Vergleiche deshalb das Gesamtgewicht einschließlich Gestänge und Zubehör.
Baumwolle nimmt Wasser auf und trocknet vergleichsweise langsam. Ein nasses Zelt kann somit unangenehmer zu transportieren sein als ein trockenes. Wenn geringes Gewicht entscheidend ist, schau dir auch unsere Materialkunde zu Silnylon und Ripstop Nylon an.
Pflege beginnt beim Trocknen
Entferne losen Schmutz vorsichtig und halte dich bei der Reinigung an die Zeltanleitung. Robens empfiehlt für seine Zelte Wasser und einen weichen Schwamm beziehungsweise eine weiche Bürste. Aggressive Reinigungsmittel und die Waschmaschine gehören dort nicht zur Pflege. Falls du im Regen abbauen musst, pack das Zelt zu Hause bald wieder aus. Lass auch Nähte, Säume und Falten vollständig trocknen, bevor es endgültig in den Sack kommt. Feucht eingelagert kann es schimmeln. Regelmäßiges Nachsprühen ersetzt diese Arbeit nicht.
Eine neue Imprägnierung kommt erst infrage, wenn die Behandlung nachlässt und der Hersteller sie erlaubt. Nikwax Cotton Proof ist laut Hersteller für Baumwolle und Polycotton vorgesehen; Fabsil Gold nennt ebenfalls Polycotton als geeigneten Stoff. Das sind mögliche Alternativen. Anwendung und Verträglichkeit müssen zum Zelt passen.
Was für die Pflege infrage kommt
Für losen Schmutz brauchst du meist wenig Zubehör. Eine neue Imprägnierung ist erst dann sinnvoll, wenn die vorhandene Behandlung nachlässt. Diese drei Produkte passen zu den beschriebenen Pflegeschritten:
- Weiche Rosshaar-Stielbürste, 265 mm*: zum vorsichtigen Abbürsten von losem, trockenem Schmutz. Erst an einer unauffälligen Stelle ausprobieren und nur verwenden, wenn die Zeltanleitung eine weiche Bürste erlaubt. Nicht kräftig über Nähte oder Stoff scheuern.
- Nikwax Cotton Proof, 300 ml*: eine Imprägnierung für Baumwolle und Polycotton. Bei einem Zelt gelten die dafür vorgesehenen Anwendungshinweise. Eine Dosierung für Kleidung lässt sich nicht einfach auf ein ganzes Zelt übertragen.
- Fabsil Gold, 1 Liter*: eine alternative Imprägnierung, die der Hersteller auch für Polycotton nennt. Prüfe vor dem Kauf, ob dein Zelt dafür freigegeben ist und welche Menge du brauchst. Cotton Proof und Fabsil sind Alternativen; trage sie nicht übereinander auf.
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Passt Polycotton zu deiner Tour?
Wenn du ein festes Camp aufbaust, das Zelt nicht weit tragen musst und nach der Tour Platz zum Trocknen hast, kann Polycotton gut passen. Für häufige Standortwechsel mit dem Rucksack würde ich zuerst Gewicht und Trocknungszeit vergleichen. Die entscheidende Frage ist: Kannst du mit dem Zelt auch dann gut umgehen, wenn du es morgens nass einpacken musst?
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